
Bezahlen und Datenschutz
An der Kasse kurz in eine Kamera schauen und bezahlen: Revolut hat dieses Verfahren mit Pay with Smile in einem britischen Pilotprojekt vorgestellt. Hinter dem freundlichen Namen steckt biometrische Authentifizierung. Für Gäste und Händler zählen deshalb nicht nur Bequemlichkeit und Gebühren, sondern auch Freiwilligkeit, Datenschutz und ein funktionierender Ersatzweg.
Ein britischer Pilotversuch
Revolut kündigte am 24. September 2026 einen ersten Pilotbetrieb in ausgewählten Londoner Cafés von Kiss the Hippo an. Der damals beschriebene Aktionszeitraum reichte bis zum 26. September. Diese zeitlich begrenzte Vorführung ist von einem dauerhaft verfügbaren Angebot zu unterscheiden. Wir leiten daraus ausdrücklich keinen flächendeckenden Start in Deutschland ab.
Das Verfahren wird über Revolut Register angeboten, ein Kassensystem mit zwei modularen Bildschirmen. Die Produktseite nennt daneben Karten, kontaktloses Bezahlen und digitale Wallets. Gesichtszahlung ist damit eine zusätzliche Zahlungsart innerhalb eines größeren Kassensystems. Ein Betrieb sollte seine Entscheidung nicht allein davon abhängig machen, wie eindrucksvoll eine Demonstration aussieht.
Wer das System für einen deutschen Standort erwägt, sollte zuerst die konkrete Lieferbarkeit und die für diesen Markt geltenden Bedingungen bestätigen lassen. Zu prüfen sind außerdem die benötigten Kassenfunktionen und die Einbindung in die vorhandenen Betriebsabläufe. Eine englische Produktseite oder ein Angebot in britischen Pfund beantwortet diese Fragen noch nicht.
So wird die Zahlung freigegeben
Nach Angaben von Revolut müssen Kunden Pay with Smile vor der Nutzung aktiv einschalten. Im britischen Datenschutzhinweis werden ein biometrisches Referenzmuster und bei der Zahlung erfasste Gesichtsdaten beschrieben. Die Authentifizierung nutzt daraus abgeleitete verschlüsselte digitale Merkmale. Das ist eine Verarbeitung biometrischer Daten und mehr als ein gewöhnlicher Blick auf den angezeigten Rechnungsbetrag.
Der Anbieter unterscheidet zwischen vorübergehendem Einfrieren der Funktion und einem Widerruf der Einwilligung. Beim Einfrieren bleiben die Daten für eine spätere Reaktivierung erhalten; beim Ausstieg soll das biometrische Muster aus der dafür relevanten Datenbank gelöscht werden. Beides lässt das normale Konto und andere Zahlungswege nach diesen Angaben unberührt.
Unsere Empfehlung für Interessierte: Lies den Datenschutzhinweis vor dem Einschalten und prüfe, ob du den Umgang mit dem Referenzmuster akzeptierst. Eine Kamera am Kassenterminal ist ein anderer Einsatzkontext als die lokale Entsperrung deines Telefons. Prüfe deshalb die tatsächlichen Verarbeitungsangaben des Dienstes, statt beide Verfahren automatisch gleichzusetzen.
Die vollständigen Gebühren prüfen
Revolut bewirbt für Pay-with-Smile-Zahlungen über das Register keine Verarbeitungsgebühr. Das ist eine Aussage zu einer bestimmten Zahlungsart. Daraus folgt nicht, dass die gesamte Kasse oder jeder darüber abgewickelte Kartenumsatz kostenlos wäre. Für andere Zahlungswege und das Geschäftskonto können eigene Konditionen gelten; die Produktseite verweist auf Gebühren und Bedingungen.
Unsere Vergleichsrechnung würde deshalb getrennte Zeilen für Hardware, Kontomodell, Software, Zubehör, Service und die üblichen Zahlungsarten enthalten. Ergänze die Umsatzanteile aus deinem eigenen Betrieb. Wenn nur ein kleiner Teil der Gäste die Gesichtszahlung verwenden möchte, ist die beworbene Gebühr allein kein brauchbarer Maßstab für die Gesamtkosten.
Frage auch nach den Abläufen für Rückerstattungen, Trinkgeld, Tagesabschluss und die Zusammenarbeit mit Buchhaltung oder Steuerberatung. Lass dir die tatsächlich benötigten Funktionen vorführen. Für den Betrieb ist oft wichtiger, ob Mitarbeitende eine Rechnung schnell korrigieren und einen Abschluss nachvollziehen können, als ob eine zusätzliche Authentifizierung wenige Handgriffe spart.
Einen Ersatzweg bereithalten
Im Datenschutzhinweis beschreibt Revolut alternative Zahlungsmöglichkeiten, wenn eine Gesichtserkennung scheitert oder nicht eindeutig ausfällt. Für einen eigenen Test sollten solche Fälle ausdrücklich dazugehören. Gäste müssen erkennen können, wie sie ohne Anmeldung für das biometrische Verfahren bezahlen und an wen sie sich bei einem Problem wenden können.
Wir empfehlen eine kurze Probe im normalen Arbeitsablauf: Betrag zeigen, gewählte Zahlungsart erklären, Zahlungsergebnis abwarten und Beleg ausgeben. Prüfe auch eine abgelehnte Erkennung und den Wechsel zur Karte. Ein technischer Vorführtermin unter idealen Bedingungen sagt wenig darüber aus, ob sich das Personal in einer vollen Mittagspause sicher zurechtfindet.
Pay with Smile ist ein interessantes Beispiel dafür, wie Bezahlen und Identitätsprüfung enger zusammenrücken. Ob die Lösung für dich sinnvoll ist, hängt an bestätigter Verfügbarkeit, akzeptablen Datenbedingungen und dem gesamten Kassensystem. Bis diese Punkte für deinen Standort geklärt sind, bleibt die britische Pilotankündigung eine technische Einordnung und keine Kaufempfehlung.
Recherchestand: 20. Oktober 2026.